Flüchtlinge, aufmerksame Bürger und Schmierereien – oder: „Mein Juni 2015“ (von Rainer Sauer)
Es ist Sommer und trotzdem regnete es am 27. Juni in Strömen. Was für Natur und Garten gut ist hilft oft auch gegen rigoroses Gedankengut, vor allem, wenn es in Jena publikumswirksam an den rechten Ort gebracht werden soll. So fiel die Demonstration der „Europäischen Aktion Thüringen“ buchstäblich ins Wasser und wurde zudem von 15 mal mehr aufmerksamen Bürgern bei Gegendemonstrationen behindert.
Auch wir positionieren und positionierten uns mit JEZT gegen Rechts, u.a. schon seit Ende letzten Jahres mit der Aktion „Mitläufer sind Mittäter“ und zumindest ein Kommentar vom Samstag zeigt, dass die Botschaft auch rechts außen wahrgenommen wird: „Die einzigen Mitläufer einer zionistischen Wohlfahrt, die Deutsche wirtschaftlich ausgrenzt, und Mio. Flüchtlinge herstellt, hier infiltriert, um Arbeitsplätze für Nichtdeutsche zu generieren … seit ihr! Dussel und Mitläufer, die für die ‚Anwartschaft‘ auf Brotkrumen, den Nachbarn als Nazi denunziert.“ – Abgesehen davon, dass man „seit“ besser mit „d“ schreibt als mit „t“, lasse ich das Statement einfach mal so im Raum stehen.

Mit ganz anderen Gedanken und Problemen haben die Menschen zu kämpfen, die aus Somalia, Syrien und anderswo zu uns nach Europa kommen. Deutschland wird sie aufnehmen, Thüringen bekommt hiervon eine Menge ab und dann werden einige von Ihnen über die Erstaufnahmeeinrichtung „Thüringer Landesaufnahmestelle Eisenberg“ nach Jena gebracht. traumatisiert zwar doch glücklich, es zu uns geschafft zu haben und voller Hoffnung, dass sie in unserem Land, in unserer Stadt willkommen sind. Als Asylanten. Denn das Wort „Asyl“ stammt aus dem Griechischen und steht für „Zufluchtsstätte“.
Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als jede Person, die sich (Zitat) „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung“ außerhalb des eigenen Landes (= Staatsangehörigkeit) befindet und dort keinen Schutz mehr findet. Wir Jenaerinnen und Jenaer genießen das große Privileg in einem Land leben zu dürfen, in dem es seit Jahrzehnten keinen Krieg und keinen Hunger gibt. deshalb ist es keine Frage, dass wir zum Teilen unseres Wohlstands bereit sind.
Die Bundesrepublik Deutschland verankerte das Recht auf Asyl als Grundrecht im Artikel 16 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG). Hier heißt es: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. 1996 wurde der Art. 16a in der GG eingefügt, der das Grundrecht auf Asyl dahingehend einschränkt, dass derjenige, der aus einem „sicheren Herkunftsland“ kommt oder über einen „sicheren Drittstaat“ nach Deutschland eingereist ist, kein Asylrecht in Anspruch nehmen kann. Mahr Informationen zum Thema findet man u.a. auf der Internetseite des Refugio e.V. aus Jena oder auf der des Flüchtlingsrats Thüringen e.V..
Ich denke, es steht außer Frage, dass Flüchtlinge in Jena zur Zukunft unserer Stadt gehören und gehören werden. Deshalb heißen wir sie ja auch bei uns willkommen! Gelegentlich eben zuerst einmal in einer Turnhalle, wenn alles andere fehl schlägt.
In diesem Sinne
Ihr
Rainer Sauer, Jena
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