Rainer Sauer „Mein Vierteljahrhundert in Jena“ – Teil 11: Breitensport + Spitzensport = JenaSport

Empfang für Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler auf dem Marktplatz – Foto © MediaPool Jena
Als ich mich 1991 entschloss nach Jena zu ziehen, dann auch deshalb, weil Jena eine der großen Sportstädte der DDR war. Die ersten paar Wochen Ende 1991 wohnte ich im Sportlerinternat am Stadion und durfte hier einige der dort lebenden jungen Spitzensportler kennen lernen. Der Name „Jena“ stand damals für Qualität und Kontinuität im Sport – egal ob es um Fußball, Leichtathletik oder Randsportarten ging. Vor allem der Universitätssportverein Jena war „eine Macht“, wie man so schön sagt.
Ich weiß, dass es einigen Menschen in Jena schon überdrüssig ist, wenn Namen wie Ruth Fuchs, Bärbel Wöckel, Wolfgang Nordwig, Renate Stecher, Marlies Göhr, Petra Felke-Meier oder Heike Daute-Drechsler genannt werden (um hier nur einmal die DDR-Leichtathleten zu nennen ), aber was ist und war, das kann man nicht verleugnen, auch wenn in den letzten Jahren einige Erfolge ausblieben.

Das Sportlerinternat im Jahre 1991, von der Wöllnitzer Straße aus gesehen. – Foto © MediaPool Jena
Diesen Skeptikern hat Thomas Röhler vor einigen Tagen seinen Speer sinngemäß genau vor die Beine geschleudert: Goldmedaille heute, Weltmeistertitel morgen. Und wenn man genau in die Luft schaut, dann hat unsere Stadt durchaus schon jetzt einen echten aktuellen Weltmeister vorzuweisen mit dem Segelflieger Dr. Jan Rothhardt.
Damals, zu DDR-Zeiten, konnten dank der staatlich gelenkten Unterstützung viele Titel an die Saale geholt werden. Dass Jenaer Sportler 2016 so weit vorne in der Welt sind (noch dazu unter dem gestiegenen Leistungsdruck der Jetzt-Zeit) liegt offensichtlich daran, dass Rothardt und Röhler Sportler sind, die ihre jeweilige Sportart in Perfektion beherrschen. Dass sie so weit kamen, zeigt vor allem ihr eigenes Potential auf oder das ihrer Förderer, Förderzentren oder Trainer – Jena als Sportstadt hat hierzu nicht unbedingt etwas beigetragen.
Wenn aber 2016 wieder „mehr Medaillen für Jena“ verlangt werden, ist das der falsche Weg. Jena hat – und dies ist ein großes Glück unserer Stadt – nicht nur den Leistungs- sondern auch den Breitensport. Hier engagieren und faszinieren sich die Menschen. Und wenn die (und deren Nachwuchs) sich durch Thomas Röhler oder z. B. die Erfolge der FF USV Damen dafür entscheiden, selbst einen Speer zu werfen oder in einer Fußballmannschaft zu spielen, dann schafft Breitensport hier vielleicht doch noch den Weg zum Spitzensport. Denn Spitze können immer nur einige wenige sein.
In diesem Sinne
Ihr
Rainer Sauer
« Die „Lauinger-Affäre“ wird immer mehr zum Skandal: Trotz Zweifeln an des Ministers Aussage verweigert die Staatskanzlei Akteneinsicht Die „Wenigenjenaer Oase“ feierte den Sommer: Mitarbeiter der Bereiche Gewässerunterhaltung und Baumpflege des Kommunalservice Jena informierten am Saaleufer »