„Jetzt haben die Betreiber geantwortet“: Jenas Club-Szene nimmt Stellung zur Klage über sexuelle Übergriffe von Männern auf junge Frauen
Es war eine Art Aufschrei, als dieser Tage ein offener Brief der 19-jährigen Jenaplan-Schülerin Alina Sonnefeld an die Betreiber mehrerer Jenaer Clubs durch die Presse ging, in dem sie sich darüber beklagte, dass in letzter Zeit junge Frauen in verschiedenen Jenaer Clubs immer öfter zu Opfern sexueller Übergriffe werden und zwar nicht durch geflüchtete Ausländer sondern durch Deutsche Männer. Einen Klatsch auf den Po, das Betatschen der weiblichen Brust, „ein Küßchen in Ehren“, schrieb Sonnefeld, all das werde offenbar von diesen Männern als normal empfunden.
Jetzt gab es erste Reaktionen der angeschriebenen Clubs bzw. der Clubbetreiber, über die die Ostthüringer Zeitung in ihrer Lokalausgabe berichtet. Dabei wird klar, dass das „Sexismus-Problem“ bei den Verantwortlichen durchaus ernst genommen wird; aber es gab auch einen leisen Vorwurf gegen die 19-Jährige. Mit den Worten: „Wir sind bei diesem Thema sehr sensibel“, wird Thomas Sperling vom Kassablanca zitiert, der auch erwähnt, dass sich sein Programmleiter umgehend nach dem Eingang des offenen Briefes und noch vor Erscheinen der Pressemeldungen mit Alina Sonnefeld getroffen habe, um das Problem mit dieser persönlich zu besprechen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie man die Situation verbessern könnte. „Sexuelle Belästigung wird oft als Bagatelle abgetan, das darf aber nicht passieren. Es geht um den Respekt voreinander und wie einige Männer Frauen sehen“, so Thomas Sperling in der OTZ.
Dagegen wird Marko Drüge, Barkeeper aus dem Med-Club, mit der Bemerkung zitiert, dass er „sehr schade“ findet, dass die Initiatorin des Offene Briefs die Atmosphäre in den Clubs so wahrnehmen würde, als ob dort „nie ein offenes Ohr warte“, wenn es zu einem sexuellen Übergriff komme oder gekommen sei. „Gegen konkrete Vorfälle, von denen wir nichts wissen, können wir auch nichts Konkretes unternehmen“, so Drüge in der Ostthüringer Zeitung. Denn „sobald wir über einen Vorfall unterrichtet werden, schreiten wir mit Vehemenz ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob betroffene Frauen sich an das Bar- oder Garderobenpersonal oder an unsere Türsteher wenden.“ Er könne bei allen betroffenen Frauen nur appellieren, „sich direkt am betreffenden Abend, bestenfalls unverzüglich, an uns zu wenden.“ Natürlich, so Marko Drüge, sei es ebenso möglich, eine Freundin vorzuschicken.
Abschließend kommt in der Ostthüringer Zeitung auch noch Veranstalter Christian Wolf (unter anderem sowohl für die „Rund um 30“-Partys im Volksbad als auch die Aprés-Ski-Bar am Weihnachtsmarkt verantwortlich) zu Wort. Er habe den Eindruck gewonnen, erklärte er gegenüber der OTZ, dass ältere Frauen mit zudringlichen Männern anders umgehen könnten und würden. Wolf: „Die meisten Frauen sind da keck genug, sich zur Wehr zu setzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Männer sich alles erlauben dürfen. Am vergangenen Freitag haben wir erst einen Gast vor die Tür gesetzt, weil sich Gäste über ihn beschwert haben.“ Doch hat er auch mahnende Worte an diejenigen Frauen, die sich von Männern belästigt fühlten. „Manche junge Frauen bemerken gar nicht, welche Signale sie an die jungen Männer aussenden“, so der Veranstalter. Manche junge Männer fühlten sich, nach seiner Auffassung, regelrecht aufgefordert oder würden nach dem dritten spendierten Cocktail irgendein Erfolgserlebnis von den Frauen erwarten. „Wenn das ausbleibt, dann kommt der Frust“, so Christian Wolf, der aber mit den Worten schloss, letztlich gebe es keinerlei Rechtfertigung für sexuelle Belästigung oder Übergriffe von Männern bei Frauen.
« Begleitend zum Lutherjahr startet heute in der EAB die Ausstellung „Martin Luther: nachgeblickt“ Thomas L. Kemmerich: „Visionen umsetzen, Digitalisierung vorantreiben, einen Schritt voraus sein!“ »